Steht der Krankenhausausschuß vor einer gravierenden Fehlentscheidung?

08.12.2016 - Bayer, Dr. Karlheinz

Steht der Krankenhausausschuß vor einer gravierenden Fehlentscheidung?Am Nikolaustag hat der Krankenhausauschß in einer öffentlichen Sitzung getagt und vom Geschäftsführer des Klinikums Ortenau, Herrn Christian Keller gehört, daß auf das Klinikum ein "überraschender" Verlust in einer "mittleren einstelligen Millionenhöhe" zukommt.
Die Zeitungen haben darüber berichtet.
Jetzt ist es allerdings keineswegs so, daß dieser Verlust überraschend kommt, und es ist auch nicht so, daß der Betrag beängstigend hoch ausfällt. Allerdings könnten allzu schnelle Korrekturen an der falschen Stelle mehr schaden als nützen.

Es kann zunehmend ernster werden um die sogenannten kleinen  Krankenhäuser.
Insbesondere dann, wenn aus der Frage des Landrats, ob es opportun sei, dieselben Operationsmöglichkeiten im Kreis dreimal anzubieten, konkrete Maßnahmen entspringen. Die Frage an sich ist korrekt, sofern sie Spezialoperationen betrifft, wie z.B. Operationen an der Bauchspeicheldrüse, oder die Behandlung schwerer uind schwerster Unfallverletzungen.
An wohnortnahen Möglichkeiten für sogenannte kleine Operationen, also Blinddärme, Platzwunden, Knochenbrüche kann es jedoch garnicht genügend Krankenhausstandorte geben.
Es ist wie mit den Fachärzten, die eher in den Städten zu finden sind, während Hausärzte eher auf dem Land praktizieren.

Das Krankenhausstrukturgutachten, daß der Ortenaukreis vor drei Jahren in Auftrag gegeben hat, hat klipp und klar deutlich ausgesagt, daß die Ortenau nur dann sinnvoll medizinisch versorgt ist, wenn die ganze Reihe kleiner Krankenhäuser mit einer Inneren Abteilung, einer Chirurgie und einem dritten Fach, wie z.B. der Geburtshilfe in Oberkirch, versehen sind.

Wenn wir jetzt nicht reagieren, sondern erst im April, nach der Klausurtagung des Krankenhausausschusses, kann man davon ausgehen,
daß Fakten geschaffen worden sind. Dabei sind die Fakten tatsächlich anders.

Mir liegt der Geschäftsbericht des Gesamtklinikums vor.
Anhand der dort stehenden Zahlen läßt sich belegen, daß es in den Standorten Kehl und Wolfach kaum Veränderuneg gab.
In Oberkirch wurden von 2015 nach 2016 zwar immer noch rote Zahlen geschrieben, jedoch 3 Millionen Umsatz mehr gemacht hat.
Offenburg dagegen schreibt immer noch schwarze Zahlen, ist aber von 197 Millionen Umsatz auf 191 Millionen gefallen.
Allein das Krankenhaus in Lahr zeigt eine makellose Bilanz auf und rettet die Umsatzzahlen bezüglich des Defizits in den einstelligen Millionenbereich.

Was heißt es, rund 6 Millionen Defizit im Jahr 2016 gemacht zu haben?
Es ist eine vernachlässigbare Summe, wenn man sich vor Augen hält, daß der Gesamtumsatz aller Kliniken bei nahezu einer halben Milliarde Euro liegt. Was das Gesamtklinikum allerdings seit der Fusion des Josefhauses mit dem Klinikum belastet sind die immens hohen Schulden (rund sechzig Millionen) und die Umbaukosten (inzwischen im dreistelligen Millionenbereich angesiedelt).
Und um gleich mit einer weiteren Behauptung aufzuräumen, nach dem Umsatzbericht des Klinikums waren die Steigerungen bei den Lohnkosten im niedrigen einstelligen Prozentbereich gebliebem.

Zahlen sind immer so zu nehmen, wie man sie braucht.

Es wäre fatal, vorschnell für eine Schließung oder auch nur für eine Verkleinerung der kleinen Häuser zu stimmen
Schon jetzt hat die Zentralisation auf die großen Krankenhäuser zu negativen Auswüchsen geführt.
In den Städten mit den kleinen Häusern wird der Unmut groß, daß es keine ausreichende Versorgung mehr gibt.
In den großen Kliniken jedoch ist der Unmut beinahe ebenso groß, wegen des vermehrten Arbeitsanfalls bei Behandlungen, die hier eigentlich fehl am Platz sind.

Ganz abgesehen davon, daß Operationen, die an anderen Orten genauso leicht hätten stattfinden können, OP-Räume für komplizierte Fälle wegnehmen, und daß natürlich auch mit einem vermehrten Aufkommen unsortierter OP-Fälle das Infektionsrisiko und das Risiko für die Verbreitung von Problemkeimen steigt.

Wir müssen aufpassen, denn es geht um nichts mehr und nichts weniger als um die flächendeckende und wohnortnahe Versorgung unserer Bevölkerung. Die Mitglieder und erst recht die Mandatsträger der FDP sind aufgefordert, sich hier sachkundig zu äußern und Partei zu beziehen für ihre jeweiligen Krankenhäuser.
Einen Anfang haben  die Ärzte gemacht, die im Ärztenetz Renchtal e.V. zusammengeschlossen sind, also Ärzte aus der Region Oberkirch, Appenweier, Renchen, SAchern, indem sie eine Resolution verabschieden, die inhaltlich diesem Beitrag entspricht.

Ich fordere auch Sie, als meine liberalen Parteifreunde auf, hier aktiv zu werden!

Ihr
Karlheinz Bayer

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