„ Den Familien ist nicht bewusst, in welchem Maß sie tatsächlich ausgebeutet werden“

27.09.2012 - Jundt, Hedwig

„ Den Familien ist nicht bewusst, in welchem Maß sie tatsächlich ausgebeutet werden“Prof. Dr. Hermann Adrian Universität Mainz hielt am 27.September 2012 beim Ortsverband Oberkirch-Renchtal einen Vortrag über das Thema: Warum Familien gegenüber Kinderlosen vom Staat ausgebeutet werden und wie es besser laufen könnte! Deutschland habe die niedrigste allgemeine Geburtenziffer aller Staaten der Welt ausgenommen den Vatikanstaat. Es werden nur zwei Drittel dessen geboren, was zur Bestanderhaltung notwendig sei.

Prof. Adrian zeigte anhand von exaktem Datenmaterial und zahlreichen Schaubildern die schwere Benachteiligung vor allem von Familien mit zwei und mehr Kindern durch unser Steuer- und Sozialsystem auf. Er rechnete vor: Ein durchschnittliches Kind kostet die deutsche Gesellschaft insgesamt 440.000 Euro. Hiervon zahlt der Staat für Schule, Kindergeld ( bzw. Steuerminderung ), Krankenkosten der Kinder, Elterngeld etc. etwa 180.000 Euro pro Kind. Dieser Betrag wird sowohl durch die Steuern und Abgaben der Kinderlosen, als auch durch die der Eltern finanziert. Die übrigen 260.000 Euro tragen die Eltern allein! Sind die Eltern Doppelverdiener ergibt sich, dass der/die Kinderlose 14%, die Eltern jeweils 43%  ( gemeinsam also 86%) der Gesamtkosten der Kinder finanzieren.

Prof. Adrian stellte weiter dar, inwieweit Kinderlose und Eltern später von den Erträgen der Kindern profitieren. Aus deren Steuer-  und Abgabenleistungen wird zum einen die gesamte staatliche Infrastruktur ( Kosten der politischen Führung und Verwaltung, Polizei, Militär, Straßen, Rettungsdienste, Kultureinrichtungen etc. ) finanziert. Davon profitieren Kinderlose und Eltern gleichermaßen. Diese Leistungen gleichen den 14%igen Anteil der Kinderlosen an den Kindererziehungskosten vollständig aus. Darüber hinaus haben nach dem heutigen System Kinderlose aber auch Anspruch auf Leistungen aus der Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung, die die Kinder der Eltern bezahlen.  Da diese Versicherungen umlagefinanziert sind, haben die Kinderlosen wie die Eltern durch ihre eigenen Einzahlungen aber lediglich an ihre eigenen Eltern gezahlt, nicht Vorsorge für spätere eigene Leistungen getroffen! Dieser Zusammenhang wird nach den Ausführungen Prof. Adrians  häufig übersehen. Seine Schlussfolgerung daher: Kinderlose können im Alter keine Ansprüche auf entsprechende Leistungen an Kinder „anderer Leute“ stellen, sondern müssen aus den ersparten Aufwendungen für Kinder selbst Vorsorge für ihr Alter treffen. Kinder bzw. später erwachsene Zahler geben gerechterweise ihren eigenen Eltern das, was diese in sie investiert haben, zurück. Das jetzige System stelle eine gravierende Ausbeutung der Eltern dar und unter diesen Bedingungen werde der Geburtenrückgang logischerweise voranschreiten. Die Folgen für Wohlstand, Wirtschaft und die Sozialsysteme seien katastrophal. Es sei schließlich unmöglich, dass eine immer kleiner werdende Gruppe von Menschen eine große Gruppe ausreichend versorgen könne.

 

Im Anschluss an den Vortrag entspann sich eine lebhafte Diskussion. Zuhörer meinten, dass es auch ein Weg sei, Kinderlose in der Erziehungsphase  stärker an den Kosten zu beteiligen und ihnen später ähnliche Rechte, wie den Eltern einzuräumen.  Es wurde das französische Modell des steuerlichen Familiensplittings diskutiert.

Prof. Adrians Apell am Schluss: „ Die Familien müssen endlich aufwachen und für sich und ihre Kinder kämpfen“.

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