Energiewende, läuft alles nach Plan ?

04.07.2013 - Schramm, Ulrich

Energiewende, läuft alles nach Plan ?Es stellt sich die Frage ob wir den umfangreichen und kostenintensiven Netzausbau von Nord nach Süd benötigen, oder ob wir von falschen Überlegungen ausgehen. Energieparks, in denen Wind-, Wasser-, Sonnen- und fossile Energieformen kombiniert werden, wären die Alternative.

Selbstverständlich ist es für die politische Darstellung der Energiewende wichtig die wirtschaftlichen Aspekte zu benennen. Hier sollte aber auch klar sein, dass diese wirtschaftlichen Aspekte nicht nur aus dem Tagesgeschäft bestehen, sondern auch die Kosten für die technische und physikalische Voraussetzung müssen hier berücksichtigt werden. Denn diese werden in den späteren Kalkulationen der Energielieferanten genauso beinhaltet sein, wie die Kosten für EEG, KWKG, Ökosteuer, Mehrwertsteuer, Konzessionsabgaben, Netznutzungskosten und der Marge enthalten sein werden. Besonders in dem heute schon höchsten Anteil der Netznutzungskosten wird sich dies erheblich niederschlagen. Die Erzeugungskosten machen dabei nur einen geringen Anteil aus. Daher werden die Kosten für den Netzausbau gravierend die Kosten für die Zukunft bestimmen.

Daher stellt sich die Frage, benötigen wir überhaupt diesen umfangreichen und kostenintensiven Netzausbau. Nach meiner Meinung aus folgenden Gründen nicht. Die deutsche Netzagentur plant bis 2015 einen Netzausbau von 850 km, hinzu kommen etwa 400 km Netzverstärkung zur Leistungsanpassung. Wir haben aber bisher nur 90 km Netzausbau umsetzen können, was eindeutig auf die Schwierigkeiten beim Netzausbau hinweist. Bis 2020 spricht die deutsche Netzagentur sogar von 3600 km Netzausbau. Einen Energietransport von den Offshore- Anlagen in der Nordsee in den Süden unseres Landes halte ich daher für die denkbar ungünstigste Lösung. Es sind hier neben den baulichen Problemen mit Widerständen aus einzelnen Verbänden wie Tier- / Artenschützer, Naturschützer und  Umweltorganisationen zu rechnen. Aber auch mit Auseinandersetzungen im Grundbesitznutzungsrecht privater wie industrieller Eigentümer wird zu rechnen sein. Auch diese verfahrenstechnischen Kosten werden sich künftig auf die Vermarktung der Energie auswirken. Aus all diesen Gründen wäre doch die Überlegung naheliegend, Energieversorgung und Erzeugung weitgehend regional zu betrachten, dann bräuchten wir diesen gewaltigen Netzausbauaufwand nicht. Die regionalen regenerativen Energien könnten die großen fossilen Stromerzeuger dabei positiv entlasten. So kämen wir der AKW- Abschaltung einen guten Schritt näher.

Wir gehen heute zudem von falschen Überlegungen aus. Wir kennen dem Umgang mit fossilen Energieträgern wie Kohle, Erdöl, Erdgas und Kernenergie. Diese Energien können wir generieren so wie wir sie benötigen. Ebenso wissen wir, wie mit den Vorräten dieser Energieformen zu planen ist. Wenn wir nun die regenerativen Energien betrachten, ist doch folgender gravierender Unterschied festzustellen. Wir wissen zu keinem Zeitpunkt ob wir genug Wind, genug Wasser, genug Sonne etc. zur Verfügung haben. Selbst in Küstenregionen haben wir oft Windflauten, es gibt immer wieder Phasen mit Wasserknappheit, Sonne haben wir auch nicht konstant ausreichend um größere Energien damit erzeugen zu können. Alles in Allem fehlt es bei diesen Energieformen an der Konstanz um eine gesicherte Energielieferung permanent aufrecht halten zu können. Diesen Effekt kann man sicher durch die Umsetzung mit Energieparks, in denen Wind-, Wasser-, Sonnen- und eine fossile Energieform kombiniert werden, umgehen. Zudem bin ich der Auffassung dass unsere Windkraftanlagen zu groß bemessen sind, kleinere Einheiten ließen sich an viel mehr Standorten realisieren, da man die Windgeschwindigkeiten von 7 m/s für kleinere Schwungmassen nicht benötigt. Mit den großen Windkraftanlagen nehmen wir uns die Flexibilität der Standortfindung. Zudem wären kleine Windkrafträder eine wesentlich geringere Belastung für die Umweltrandbedingungen.  Aber gänzlich auf fossile Energien verzichten zu können werden wir nicht erreichen. Bei unseren heutigen Möglichkeiten Schadstoffe aus der Luft herauszufiltern wäre selbst ein Backup- Kohlekraftwerk nicht auszuschließen. Als Backup- Energieerzeuger stehen immerhin noch Gas-, Biomasse- und Geothermieanlagen zur Verfügung, letzteres ist allerdings noch entwicklungsfähig. Selbst über kleine, leistungsbegrenzte AKW´s darf man getrost nachdenken.

Dass die großen Energielieferanten sich nicht gegen den geplanten Netzausbau stellen wird klar, wenn man betrachtet dass die Netznutzungskosten heute schon die Hälfte der Stromkosten ausmachen.  Hier dürften die Energieunternehmen schon das Geld weitgehend verdienen das die Selbstkosten deckt, ohne bereits eine Kilowattstunde geliefert zu haben. Der kostenintensive Ausbau des Stromnetzes wird hier weitere Argumente geben um noch höhere Netznutzungskosten zu  rechtfertigen. Strom kann so schnell unbezahlbar werden.

Ulrich Schramm
Mitglied im Landesfachausschuß Umwelt, Energie und Raumplanung

 

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