Barrieren in den Köpfen

21.04.2012

»Barrierefrei« hieß am Samstag das Motto auf dem Lindenplatz in Offenburg. Mit einem Stand wollte die Arbeitsgemeinschaft Behindertenhilfe im Ortenaukreis auf mehr aufmerksam machen als nur auf fehlende Rampen oder Aufzüge: Die Barriere liegt oft im Kopf des Betrachters.
Von Bettina Kühne

Beim Aktionstag »Barrierefrei« ging es um die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung

»Barrierefrei« hieß am Samstag das Motto auf dem Lindenplatz in Offenburg. Mit einem Stand wollte die Arbeitsgemeinschaft Behindertenhilfe im Ortenaukreis auf mehr aufmerksam machen als nur auf fehlende Rampen oder Aufzüge: Die Barriere liegt oft im Kopf des Betrachters.
Von Bettina Kühne

 

07.05.2012 - Offenburg. Die Braut trägt schon mal Weiß und hält ein Sträußchen in der Hand: So geht Sabrina Gehrmann mit Rolf Lemke den Lindenplatz auf und ab Er hält ein gelbes Täfelchen in der Hand, auf dem das Thema erläutert wird: Dürfen Behinderte heiraten? Ja, sagen die UN-Konventionen, die allen Menschen gleiche Rechte einräumen. Und Nein, sagt das Amtgericht Offenburg.
Am Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am Samstag nutzte die sogenannte UN-Gruppe der Lebenshilfe Kehl die Gelegenheit, um am Stand der Arbeitsgemeinschaft Behindertenhilfe im Ortenaukreis (AGBO) unter dem Motto »Barrierefrei« auf diese Missstände aufmerksam zu machen. »Von unten nach oben« müsse das Recht nun durchgesetzt werden, meint Ilse Förster von der Lebenshilfe Kehl. Wie auch ihre Kollegen spricht sie Passanten an; sie wollen aufzeigen, wie viele Barrieren es für behinderte immer noch gibt – und dass sie weg müssen.
Wertschätzung wichtig
Manchmal sind sie nur baulicher Art. Im Kinzigtal beispielsweise haben noch nicht alle öffentlichen Gebäude barrierefreie Zugänge, räumt Lutz Heubach, Geschäftsführer der Lebenshilfe Kinzig- und Elztal, ein. Aber dafür sei die Inklusion weit vorangeschritten, die Arbeit der Lebenshilfe werde wertgeschätzt. So sei die letzte Jahreshauptversammlung gut besucht gewesen – »von Repräsentanten, die uns dann wiederum unterstützen«.
Immerhin: Kreisräte sämtlicher Fraktionen schauen vorbei, Alfred Baum von den Grünen, Anita Rost von der FDP und Willi Wunsch von der CDU.
Verbesserungswünsche
Über »mehr Öffentlichkeit als in den ersten beiden Jahren« freut sich Wolfgang Dürr vom Spastiker-Verein, der das Haus Damasina in Schutterwald leitet

 

An die Passanten heranzukommen, sei allerdings nicht ganz einfach. Es ist regnerisch – trotzdem will kaum einer unter den Pavillon treten, um dort die Plakate zu studieren.
»Wenn wir das Thema verbreiten können, ist schon etwas gewonnen«, meint auch Achim Feyhl, Vorstandsvorsitzender der AGBO. Es gehe um das Bewusstsein und darum, »mehr Toleranz in der Gesellschaft zu schaffen«. Aber auch viele praktische Dinge fallen ihm ein, die das Leben »barrierefrei« machen würde. 
Im öffentlichen Personennahverkehr oder auch bei öffentlichen Gebäuden sind vielfach schon problemlose Zugänge für diejenigen verwirklicht, die körperlich beeinträchtigt sind. Großen Optimierungsbedarf sieht Feyhl dann aber bei der Suche nach dem richtigen Weg: Mehr »Bilder, Symbole, Farben oder Sprachausgaben« könnten hier denjenigen helfen, die sich nicht alleine an der Schrift orientieren können. Und oft, so der Vorstandsvorsitzende, würde schon eine Einhaltung der unterzeichneten UN-Konventionen helfen.
Warten auf die Hochzeit
So wie bei der verhinderten Hochzeit. Rolf Lemke erinnert sich noch gut an seine Enttäuschung, als sein Ehegesuch abgelehnt worden ist. Sogar nach Offenburg waren die Heiratswilligen aus Kehl gefahren, um alle erforderlichen Unterlagen für das Aufgebot herbeizubringen. Aber: Genutzt hat es nichts, weil Sabrina Gehrmann kaum sprechen kann und deshalb einen Betreuer hat. Lemke erinnert sich noch, wie sein Handy klingelte und es hieß: »Rotes Licht vom Amtsgericht.« Ermutigen ließ sich das Paar nicht. Gehrmanns Betreuer hat sich noch mal dahintergeklemmt. Noch ist nichts sicher, aber für diesen Sommer sieht es nach einem Happy End aus.

 

Quelle: Mittelbadische Presse, Autorin: Bettina Kühne

http://www.baden-online.de/news/artikel.phtml?page_id=67&db=news_lokales&table=artikel_ortenau&id=18457

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